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Der Mere-Exposure-Effekt in der Führung [Psycho-Wissen für Führungskräfte]

Der Mere Exposure Effekt

Kennen Sie den Song „Dance Monkey“? Gesungen von einer Stimme, die ich niemals im Radio erwartet hätte. Jedes Mal, als das Lied kurz nach der Veröffentlichung gespielt wurde, schaltete ich den Sender um. Ich konnte es einfach nicht ausstehen. Doch andere Menschen mochten es, also wurde es immer öfter gespielt und vor einigen Wochen musste ich schockiert an mir selbst beobachten, dass ich leise bei „Dance Monkey“ mitgesungen habe.

Ich finde die Stimme immer noch fürchterlich (meine persönliche Meinung), aber ich habe mich daran gewöhnt.

Ursache dafür ist der Mere-Exposure-Effekt, der nicht nur in solch unbedeutenden Gebieten wie unserem Musikgeschmack, sondern auch in sehr wichtigen Bereichen wie der Mitarbeiterführung eine Rolle spielt. Was Führungskräfte über den Mere-Exposure-Effekt wissen müssen behandelt dieser Artikel.

Der Mere-Exposure-Effekt

Mit dem Mere-Exposure-Effekt bezeichnet man in der Psychologie den Effekt, dass die wiederholte Wahrnehmung einer Sache, Person oder Eigenschaft über die Zeit hinweg zu einer positiver Bewertung derselben führt. Der Mere-Exposure-Effekt tritt auch dann auf, wenn die Wahrnehmung unbewusst erfolgt, so dass die Person den Grund für ihre veränderte Bewertung selbst nicht rational erklären kann.

Erstmals als Mere-Exposure-Effekt bezeichnet wurde dieses psychologische Phänomen 1968 von Robert Zajong. Doch bereits in den 1950er Jahren erkannten u.a. die Psychologen Leon Festinger und Stanley Schachter, dass Menschen umso wahrscheinlicher zu Freunden werden, je öfter sie sich (beabsichtigt oder zufällig) begegnen.

Welche Auswirkung kann der Mere-Exposure-Effekt bei der Personalführung haben?

Haben Sie schonmal beobachtet, dass oft die Menschen befördert werden, die ihrer Führungskraft „nahe“ sind? Die also häufig mit der Führungskraft zu tun haben und sich regelmäßig austauschen?

Haben Sie andererseits auch beobachtet, dass manche Menschen trotz häufigen Kontakts zu Entscheidern und Führungskräften gar nicht weiterkommen?

Der Mere-Exposure-Effekt besagt, dass es eine gewisse Anzahl an Kontakten mit einer Sache oder Person erfordert, bis der Effekt wirkt und unser Urteil sich positiv verstärkt. Es kann jedoch auch eine „Reizüberflutung“ entstehen, durch den dieser Effekt neutralisiert oder sogar ins Gegenteil umgedreht wird.

Die besonders kritische Eigenschaft des Mere-Exposure-Effekts ist, dass er umso stärker wirkt, wenn die Wahrnehmung unter unserer Bewusstseinsschwelle liegt.

Das bedeutet konkret, dass eine Führungskraft beispielsweise alleine dadurch beeinflusst werden kann, dass eine bestimmte Person „einfach da“ ist, ohne sich in den Vordergrund zu spielen oder gar aktiv zu sein.

Der Mere-Exposure-Effekt spielt nicht nur bei Beförderungen eine Rolle, sondern auch bei der Genehmigung von Budgets, beim Treffen kritischer Entscheidungen, etc.

Führungskräfte können unbewusst dadurch beeinflusst werden, dass Mitarbeiter sie in sinnvollen Abständen immer wieder mit einem bestimmten Thema konfrontieren. Ein Thema oder eine Idee, die Anfangs kategorisch abgelehnt wurde, wird mit der Zeit neutral oder sogar positiv bewertet. Einem geschickten Beeinflussungsprofi genügt es, wenn unser Gegenüber eine Sache neutral bewertet, um dann durch intelligenten Einsatz von Beeinflussungsmethoden seine Ideen durchzubringen. Methoden zur Beeinflussung anderer Personen finden Sie hier: Führung von unten – so beeinflussen Sie Ihren Chef

Deswegen dürfen wir niemals die Macht der Wiederholung übersehen – sowohl in den Fällen, in denen wir andere überzeugen wollen, als auch dann, wenn wir überzeugt werden. 

Der Mere-Exposure-Effekt als Risikomanager

Dass wir als Menschen überhaupt die Evolution überlebt haben, hängt auch damit zusammen, dass wir in aller Regel Gefahren meiden. Denn eine Spezies, die ständig die Gefahr sucht, verliert auf Dauer zu viele Mitglieder, um langfristig zu überleben.

Der Mere-Exposure-Effekt ist sowas wie unser Risikomanager: Etwas, wovor wir uns vor drei Monaten gefürchtet haben, wirkt heute gar nicht mehr so bedrohlich – wenn wir in den vergangenen drei Monaten immer wieder damit zu tun hatten und uns nichts Negatives passiert ist. Wenn das Tier, bei dem wir beim ersten Kontakt Angst davor hatten, dass es uns frisst, sich über Wochen hinweg als treuer und friedlicher Begleiter erweist, dann wirkt genau dieser Effekt (wie z.B. bei der Freundschaft zwischen Mensch und Hund).

Der Mere-Exposure-Effekt ist auch einer der Gründe (aber bei weitem nicht der einzige), warum wir in der Corona-Krise auch eine Corona-Müdigkeit erlebt haben. Denn für viele Menschen, die weder selbst erkrankten noch viele Krankheitsfälle in ihrem Umfeld erlebten, nahm die Gefahr des Virus stetig ab. Man hat Monate davon gehört, aber es hat uns selbst nicht betroffen. Wir sind daran gewöhnt und sehen die Gefahr nicht mehr. Ein fataler Trugschluss.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich Anfang der 2010er Jahre mit Führungskräften Workshops in Deutschland durchführte und die Workshop-Teilnehmer vehement gegen das Verlagern von Daten in die Cloud gewettert wurde. Oder gegen den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Oder das Arbeiten im Homeoffice. Heute ist das alles an der Tagesordnung.

Ja klar, es hat auch damit zu tun, dass sich z.B. die Cloud-Technologie deutlich weiterentwickelt hat. Aber das ist nicht der einzige Grund!

Sehr vieles von dem, was wir als Neues ablehnen, wirkt weniger bedrohlich und schlecht, wenn wir öfter damit zu tun haben – und uns nichts negatives passiert.

Der Mere-Exposure-Effekt bei Veränderungsprojekten

Daher ist es für Führungskräfte so wichtig, sich des Mere-Exposure-Effekts bewusst zu sein, wenn sie Mitarbeiter und Unternehmen durch Veränderungsprozesse führen.

Deswegen finden wir selbst bei radikalen Veränderungen in Unternehmen auch Mitarbeiter, die völlig ruhig und gelassen bleiben – weil es schon das 17. Veränderungsprojekt für sie ist – während andere wie aufgeschreckte Hühner den Kopf verlieren.

Wer ein Veränderungsprojekt erfolgreich umsetzen möchte, sollte die Mitarbeiter VOR der Durchführung bereits beiläufig mit neuen Themen oder Vorgehensweisen in Kontakt bringen, damit diese sich daran gewöhnen.

Ja, es gibt Führungskräfte, die dies bereits perfekt beherrschen und deren Mitarbeiter bereits 12 Monate vor der Ankündigung eines Change-Projektes die Anzeichen dafür erkennen. Weil die Führungskraft langsam aber stetig kleine Veränderungen oder Themen platziert.

Ist das schlimm?

Nicht wirklich – wenn am Ende die Veränderung schneller, effektiver und für die betroffenen Mitarbeiter verdaulicher von statten geht.

Der Mere-Exposure-Effekt spielt insbesondere in der Werbung (Beispiel: Mere-Exposure-Effekt und Werbepsychologie) bei der Beeinflussung potentieller Kunden eine große Rolle. Da jedoch auch ein großer Teil der Tätigkeit einer Führungskraft darin besteht, für etwas „zu werben“ (Ideen, Konzepte, Budgets, Personen), sollten Sie immer bedenken, dass sich Ausdauer und Hartnäckigkeit in sehr vielen Fällen auszahlt.

Indem Sie den Mere-Exposure-Effekt für sich arbeiten lassen.

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