Was ist ein „Schwarzer Schwan“?

5. März 2020
Axel Rittershaus

Es ist März 2020. Die Welt wird fest von der Angst um Corona (COVID19) gefangen gehalten. Und in diesem Zusammenhang wird oft von dem Phänomen des Schwarzen Schwans gesprochen.

Besonders angesichts der Ende 2020 anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA wird diskutiert, ob Corona der Schwarze Schwan für Donald Trump sei.

Doch…

Was bedeutet das Phänomen des Schwarzen Schwans eigentlich?

Definition: Schwarzer Schwan Phänomen

Ein Schwarzer Schwan ist das tatsächliche Eintreten eines extrem unwahrscheinlichen Ereignisses, das dadurch einen massiven Einfluß auf einzelne Bereiche oder gar die gesamte Gesellschaft hat. Ein Schwarzer Schwan kann in einem Bereich (Bsp: Krankheit in China) auftreten und massive Auswirkungen auf andere Bereiche haben (Bsp: Präsidentschaftswahlen in den USA).

Woher kommt der Begriff Schwarzer Schwan

Das Phänomen des Schwarzen Schwans wurde zu einem gängigen Begriff, nachdem der ehemalige Börsenhändler und Autor Nassim Nicolas Taleb sein Buch „Der Schwarze Schwan“ 2007 veröffentlichte.

Taleb beschreibt darin sowohl historische Beispiele, als auch Erfahrungen aus seiner Zeit als aktiver Börsenhändler.

Doch den Begriff des Schwarzen Schwans gibt es bereits seit über 2000 Jahren. Der Satiriker Juvenal (nein, ich kannte ihn auch nicht 😉 ) nutzt diesen Begriff in einem seiner Werke, um ein seiner Meinung nach höchst unwahrscheinliches Ereignis zu beschreiben.

Warum heißt das Phänomen Schwarzer Schwan?

Haben Sie jemals einen schwarzen Schwan in der Natur gesehen?

Abhängig davon, wo Sie leben, werden Sie mit ja oder nein antworten.

Wenn wir Kinder fragen, welche Farbe ein Schwan hat, dann werden alle „weiß natürlich“ antworten.

So wie alle Raben schwarz und alle Löwen braun sind.

Wir stellen die Farbe eines Schwanes nicht in Frage. Er ist weiß.

Schwarze Schwan Ereignis

Wenn uns jemand von einem schwarzen Schwan oder einem weißen Löwen erzählt, dann glauben wir demjenigen nicht. Denn was wir noch nicht gesehen haben, fällt uns schwer zu glauben.

Wenn wir zudem bereits hunderte oder tausende von Beweisen für unsere Einschätzung (Schwan = weiß) mit eigenen Augen gesehen haben, dann glauben wir demjenigen erst recht nicht.

Wenn Sie im 16. Jahrhundert in Europa von schwarzen Schwänen und deren Existenz gesprochen haben, hätte man Sie für verrückt erklärt.

Bis der holländische Seefahrer Willem de Vlamingh 1697 erstmals in Australien tatsächlich einen schwarzen Schwan sah und in good old Europe davon erzählte.

Auch danach benötigte es noch weitere Berichte von anderen Reisenden, damit man es glaubte. Und akzeptierte, dass das vorherige Weltbild (Schwan = weiß) erweitert werden muss.

Falsche Grundlagen

Warum zweifeln wir daran, dass es Schwarze Schwäne gibt?

Weil wir uns in unserem kleinen Köpfchen die Welt in einen für uns verständlichen Rahmen gepackt haben. Und da wir noch nie einen solchen Schwan gesehen haben, gibt es ihn auch nicht.

Einen Rahmen, der leider nicht der ganzen Realität entspricht.

Weil unser Verständnis der Welt auf drei Grundlagen beruht:

  1. Wir leben in der Illusion, die Welt zu verstehen – und biegen uns die Realität so lange zurecht, bis sie zu unserem eigenen Weltbild passt
  2. Wir ignorieren oder verzerren die Vergangenheit – so dass sie uns genau die Argumente liefert, die wir haben wollen (siehe auch Confirmation Bias)
  3. Wir überbewerten (scheinbare) Sachinformationen und stellen Beziehungen zwischen Ereignissen her, die so nicht existieren – uns aber zu einer völlig falschen Einschätzung der Lage führen (kombiniert mit einem übermäßigen Vertrauen auf selbsternannte Experten, die bei jeder Gelegenheit aus dem Boden sprießen)

Der letzte Punkt, die Überbewertung von Sachinformationen und die Herstellung falscher Beziehungen, gibt dem Schwarzen Schwan seine Macht.

Schwarzer Schwan Hochwasser Schröder Bundestagswahl 2002

Ein Beispiel aus Deutschland:

Im Jahr 2002 kämpften Gerhard Schröder und Edmund Stoiber um das Amt des Bundeskanzlers. Schröder lag deutlich im Hintertreffen und er hatte eigentlich keine Chance mehr auf den Wahlsieg.

Bis der Schwarze Schwan auftauchte. In Form eines Jahrhundert-Hochwassers an der Elbe.

Ein solches Hochwasser kann niemand vorhersehen. Es hat auch nichts mit der Bundeskanzlerwahl zu tun.

Dennoch veränderte es alles.

Schröder verstand es, diesen Schwarzen Schwan zu seinen Gunsten als Beweis seiner Führungsqualitäten zu nutzen. Die Welt titelte später sehr schön „Als Schröder Stoiber im Hochwasser versenkte“.

Doch das ist das, was wir Menschen gerne tun.

Wir bringen Dinge in einen Zusammenhang, die keinen direkten Zusammenhang haben. Dadurch wird jedoch unser Weltbild in unserem Kopf wieder rund – und das ist, was zählt.

Der Schwarze Schwan Corona-Virus

Das Auftreten des Corona-Virus Anfang 2020 in China konnte von niemandem vorhergesehen werden.

Dass wir regelmäßig mit dem Auftreten von schweren Epidemien in einzelnen Regionen zu tun haben, daran waren wir bereits gewöhnt. Ob Ebola im Congo oder die Schweinegrippe 2009/2010 in Deutschland.

Doch die „Qualität“ von COVID19 wurde dieses Mal unterschätzt.

Rational betrachtet, konnte jeder halbwegs sinnvoll denkende Mensch erahnen, dass sich ein solcher Virus auch international verbreiten würde. Viel zu eng sind unsere Gesellschaften miteinander verbunden. Viel zu viele Menschen reisen täglich zwischen den Kontinenten.

Doch rational denken ist in diesen Zeiten eine Eigenschaft, die vielen schwer fällt. Vor allem (den meisten) Politikern.

Und damit kommen wir zum amerikanischen Präsidenten.

Es sah bis Anfang 2020 nach einem glatten Durchmarsch für seine Wiederwahl aus.

Kein Mensch konnte vorhersehen, was dann geschah. Wer denkt auch daran, eine Grippeerkrankung in China in die Wahlprognosen einzukalkulieren? Niemand.

Dass die Finanzmärkte früher oder später auf COVID19 reagieren müssten, war rational auch klar. Es kam allerdings später als erwartet. Dafür aber umso heftiger, wie die FAZ schrieb: „Das Virus als Schwarzer Schwan

Dieses Ereignis, so munkelt man jetzt (März 2020), könnte Trump die Wiederwahl kosten. Warten wir mal ab…

Schwarze Schwan Ereignis in der Führung

Entscheidend ist: Wie geht man als Führungskraft mit einem Schwarzen Schwan um

Kann man als Führungskraft etwas tun, um mit einem Schwarzen Schwan umzugehen?

Natürlich kann man als Führungskraft nicht vorhersehen

  • wann ein Schwarzer Schwan auftreten wird
  • welche Form der Schwarze Schwan haben wird (siehe nur Hochwasser und COVID19)
  • was konkret getan werden muss, wenn der Schwarze Schwan auftaucht

Was wir jedoch als Führungskraft tun können und müssen

  • uns und unsere Mitarbeiter immer wieder im Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen zu konfrontieren
  • konkrete Notfallpläne vorbereiten (Sondereinsatzkommandos oder Feuerwehren trainieren permanent den Umgang mit Ausnahmesituationen – und wenn dann ein Einsatz kommt, dann wird es dort sicherlich viele unerwartete Dinge geben, aber man ist darauf vorbereitet, mit dieser Unsicherheit umzugehen!)
  • ruhig zu bleiben, besonnen zu handeln und zu führen
  • selbst nicht der Auslöser einer selbsterfüllenden Prophezeiung zu werden

Ein fantastisches Beispiel dafür, wie man schnell und besonnen reagiert, kommt aus Vietnam.

Das staatliche Gesundheitsministerium (!) hat diesen Videoclip produziert und publiziert.

So sieht eine besonnene Informationspolitik in einer Krisensituation aus! Das zeigt wahre Führungsqualitäten.

Fazit Schwarzer Schwan

Ein Schwarzer Schwan ist also eines dieser Ereignisse, die „von nirgendwo“ und ohne Vorankündigung auftreten.

Durch ihr Eintreten beeinflussen sie davon völlig unabhängige andere Bereiche in einer Weise, die niemand vorhersehen kann und auf die man nicht konkret vorbereitet sein kann.

Eine gute Organisation und gute Führung zeichnet sich in diesen Zeiten dadurch aus, dass sie besonnen, ruhig und rational reagiert.

Eine exzellente Führung arbeitet kontinuierlich daran, sich selbst und ihre Mitarbeiter auf unerwartete Situationen vorzubereiten.

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