Wer die Funktion einer Führungskraft übernimmt, trägt damit automatisch deutlich mehr Verantwortung. Für sich selbst und für andere.

Zu dieser Verantwortung gehören:

  • Organisation des eigenen Handelns und des Verantwortungsbereiches (Team, Abteilung, Unternehmen)
  • Weiterentwicklung der Mitarbeiter durch Mitarbeitergespräche, Coaching, etc.
  • Blick für das große Ganze haben, um den eigenen Bereich und das Unternehmen voranzubringen (strategisches Denken und Handeln)
  • Wissen, was im eigenen Bereich geschieht, und transparente Weitergabe wichtiger Informationen

Je höher die Position, desto stärker bezieht sich die Verantwortung auf die Weiterentwicklung des gesamten Unternehmens.

Als Mitglied eines Vorstands oder als Manager direkt unterhalb des Vorstands können richtige oder falsche Entscheidungen eine enorme Tragweite haben.

Verantwortliche Top-Manager

Oft geht man davon aus, dass Top-Manager sich ihrer Verantwortung bewusst sind und diese voll und ganz tragen.

Man geht davon aus, dass sie immer im Unternehmenssinne handeln und Probleme offen ansprechen und lösen.

Vor allem geht man davon aus, dass jeder Manager eine ehrliche Antwort gibt, wenn er vom Vorstandsvorsitzenden und Gründer des Unternehmens gefragt wird.

Doch das ist nicht immer so.

Je höher der Rang, desto größer ist auch die Gefahr, dass politische Spielchen gespielt werden.

Jeff Bezos, der Gründer und Chef von Amazon, kann ein Lied davon singen.

Daher nimmt er seine Top-Manager in die Verantwortung und sein ehemaliger Vice President (VP) Kundenservice Bill Price musste erkennen, dass ein Top-Manager wie er keine ungeprüften oder falschen Aussagen zu seinem eigenen Bereich machen sollte…

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Jeff Bezos’ Anruf bei der Amazon-Hotline

Alle verantwortlichen Top-Manager von Amazon hatten sich im „War Room“ zusammengefunden, um – wie jeden Tag in den Wochen vor Weihnachten – dringende Themen zu besprechen, damit das Weihnachtsgeschäft so gut wie möglich läuft.

Nachdem es immer wieder Beschwerden über lange Wartezeiten bei der Telefon-Hotline für Kunden gab, fragte Jeff Bezos den verantwortlichen VP Bill Price, wie lange Kunden am Telefon warten müssten.

Weniger als eine Minute“, antwortete dieser voller Überzeugung.

Jeff nahm das Konferenztelefon im Besprechungsraum, wählte die Hotline, schaltete den Lautsprecher ein und wartete.

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Die erste Minute verging.

Die zweite Minute verging.

Die dritte Minute verging.

Die vierte Minute verging.

Währenddessen wurde Jeff Bezos immer wütender und Bill Price immer nervöser.

Nach endlosen viereinhalb Minuten antwortete ein Kundendienstmitarbeiter.

Verantwortung muss geprüft werden

Dieser Anruf von Bezos vor der versammelten Management-Mannschaft mag für manchen als aggressiv, wenig wertschätzend oder unkollegial erscheinen.

Ok. Kann man so sehen.

Aber was ist mit einem Top-Manager, der eine Aussage tätigt, die entweder gelogen oder völlig ungeprüft ist?

Soll man das als Vorstandsvorsitzender einfach hinnehmen?

Wer Verantwortung trägt, muss für seine Aussagen geradestehen.

Wer weiß, dass seine Aussagen stimmen, wird kein Problem damit haben, wenn diese geprüft werden.

Wer lügt oder ungeprüfte Aussagen als Tatsachen präsentiert, wird damit natürlich ein Problem haben. 

Vertrauen und Verantwortung

Zeigte Jeffs Anruf einen Mangel an Vertrauen?

Das wissen wir nicht, denn wir kennen die Vorgeschichte zwischen ihm und dem VP nicht.

Wenn Jeff jede Aussage des VP aus seinem Verantwortungsbereich hinterfragt hätte, dann wäre es ein Zeichen für ein zerstörtes Vertrauensverhältnis gewesen.

Wenn er jedoch eine Aussage überprüft, die sich auf eine zentrale Rolle des Erfolgs des Unternehmens bezieht – nämlich die Antwortzeiten des Kundenservice und damit der Kundenzufriedenheit – dann ist das nicht nur sein gutes Recht, sondern seine Pflicht.

Denn Jeff trägt die Verantwortung für alles, was im Unternehmen geschieht.

Also muss er sich auch immer wieder selbst davon überzeugen, dass alles klappt.

Wir bräuchten keine Manager, wenn jeder immer genau das machen würde, was er zu tun hat.

Wäre Jeffs Anruf innerhalb von 15 Sekunden beantwortet worden, hätte er dem VP bestätigt, dass alles in Ordnung ist und sein Bereich einen guten Job macht. Fertig.

Amazon hat eine Unternehmenskultur in der sehr direkt kommuniziert und permanent an Verbesserungen gearbeitet wird. Das hat das Unternehmen erfolgreich gemacht. Sehr erfolgreich. Amazon ist keine Behörde, sondern eine unter Dauerfeuer stehende Hochleistungsmaschine.

Wer dort als Führungskraft arbeitet trägt eine sehr große Verantwortung und wenn derjenige mit der Kultur nicht zurecht kommt, sollte er woanders arbeiten.

Das wäre so, wie wenn jemand als Mechaniker zu einem Formel 1 Team geht, weil ihm die Autos so gut gefallen, aber am Wochenende nicht arbeiten möchte. Das ist keine Bewertung das Mechanikers als Menschen, sondern es geht um seine Aufgabe im Team. Und die erfordert mehr, als die reine Begeisterung für das Auto. Dieser Mechaniker wäre in einem Auto-Musem vielleicht besser aufgehoben.

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Fazit

Wer als Manager jede Aussage seiner Mitarbeiter permanent hinterfragt und anzweifelt, obwohl diese immer wieder zeigen, dass sie einen guten Job machen, hat ein Vertrauensproblem und kann dann seine Managementverantwortung nicht wirklich erfüllen.

Wer als Manager jedoch gelegentlich die Aussagen der eigenen Mitarbeiter überprüft, der trägt seiner Verantwortung Rechnung und schafft damit gleichzeitig Möglichkeiten, um seine Mitarbeiter direkt für ihre Arbeit zu loben – wenn nämlich alles funktioniert!

Bei den Unternehmen, die ich als Berater der Geschäftsführung und Coach begleite, die eine sehr gute Feedback-Kultur haben und offen über Probleme (und Erfolge) sprechen, sind wesentlich erfolgreicher als die Unternehmen, bei denen großspurig Ankündigungen gemacht und Leistungen eingefordert werden – aber danach nichts passiert.

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