Welche Bedeutung die Fehlerkultur und Führungskultur auf die Mitarbeitermotivation haben, zeigt folgendes kurzes Beispiel aus einem Gespräch, das ich mit einer jungen Führungskraft führte.

Natürlich würde ich gerne ein ambitioniertes Ziel in Angriff nehmen. Ich hätte wirklich Lust, meiner Geschäftsführung ein Thema vorzuschlagen, bei dem ich nicht genau weiß, wie ich es erreichen kann – aber wenn ich es erreiche, dann bringt es dem Unternehmen sehr viel und ich habe viel gelernt.“, berichtete mir diese junge Führungskraft.

Aber was mache ich, wenn es nicht klappt. Wenn die Idee nicht funktioniert und mir die Geschäftsführung dann Vorwürfe macht, dass ich Fehler gemacht habe. Verliere ich dann nicht alles? Riskiere ich damit nicht meine Zukunft im Unternehmen?

Fehlerkultur ist Führungskultur

Diese junge Führungskraft hat, sowohl in meinen Augen als Coach als auch in den Augen ihrer Geschäftsführung, ein sehr großes Potential.

Im Rahmen ihrer Entwicklung als Führungskraft soll sie sich eine Aufgabe suchen, die das Unternehmen voranbringen wird und diese Aufgabe umsetzen. Das ist Teil der Führungsausbildung und es ist überhaupt kein Fehler, eine solche Anforderung zu stellen.

Es wird aber zu einem Problem, wenn die Geschäftsführung jeden noch so kleinen Fehler eines Mitarbeiters zu einem Drama macht oder dem Mitarbeiter anhand dieses Fehlers detailliert aufzeigt, was er alles nicht kann.

Wenn das Feedback auch noch in einer wenig wertschätzenden Art erfolgt, dann ist das keine gute Führungskultur oder Unternehmenskultur, sondern eine Führungs-UN-kultur.

Und eine fördernde Fehlerkultur existiert erst recht nicht, wenn die Geschäftsführung andererseits selbst so tut, als wenn sie keine Fehler machen würde.

Ziel einer guten Fehlerkultur

Was kann eine gute Fehlerkultur bewirken?

  1. Mitarbeiter trauen sich an Aufgaben und Ziele heran, bei denen sie im Vorfeld nicht wissen, ob sie diese meistern werden. Und dadurch wachsen und lernen sie.
  2. Mitarbeiter steigern die Leistungsfähigkeit des Unternehmens, weil sie neue Dinge ausprobieren, die das Unternehmen voranbringen, die neue Dienstleistungen oder Produkte hervorbringen oder die Effizienz steigern werden.
  3. Mitarbeiter sprechen offen über Fehler, um einerseits Schaden abzuwenden und andererseits daraus zu lernen.
  4. In einer gesunden Fehlerkultur wird kein Mitarbeiter etwas tun, was das Unternehmen gefährdet, sondern vorher immer mit Kollegen und Vorgesetzten reden, um eine Risikoanalyse zu machen – und dann zu agieren oder den Plan zu verwerfen.

In einer vorbildlichen Fehlerkultur spricht jeder offen über Fehler die er selbst gemacht hat – egal ob Praktikant oder Vorstand, ob Auszubildender oder Abteilungsleiter.

Dafür benötigt man Vertrauen zueinander, das einem die Gewissheit gibt, dass diese Offenheit nicht gegen einen selbst verwendet wird. Google identifizierten Vertrauen (“Psychologische Sicherheit”) im Rahmen seines Aristotle-Projektes als wichtigstes Erfolgskriterium seiner besten Teams.

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Fehlerkultur und Mitarbeitermotivation

Ist die Fehlerkultur jedoch krank, dann wird die Motivation insbesondere guter Mitarbeiter bereits im Keim erstickt. Denn was ist die Konsequenz dieser Kultur?

Hat ein Mitarbeiter Angst davor, dass ihm ein Fehler zum Verhängnis wird, dann vermeidet er alles, was nach einem Fehler aussehen könnte. Herrscht gar eine toxische Unternehmenskultur, dann kehrt der Mitarbeiter Fehler unter den Teppich oder schiebt sie anderen zu.

Eine ungesunde Fehlerkultur limitiert die Mitarbeitermotivation enorm! Gerade die talentierten, engagierten und ideenreichen Mitarbeiter ziehen ihre Motivation daraus, etwas zu tun, was schwer ist und dessen Erfolg nicht garantiert werden kann. Also auch schief gehen kann.

Es geht nicht um einen Freibrief nach dem Motto „Mach was Du willst, mach so viele Fehler wie Du willst und riskiere alles – Dir wird nichts passieren“. Das wäre Selbstmord. Aber es geht um eine Kultur, die das Eingehen von Risiken fördert, um Chancen zu nutzen.

Im eingangs erwähnten Fall der Führungskraft wird die Zeit zeigen, ob sie den Mut hat, ihre herausfordernden Ideen vorzustellen oder ob sie auf „Nummer Sicher“ geht und eine Idee vorstellt, bei der sie kaum Fehler machen kann.

Ich habe ihr geraten, das zu machen, was sie am meisten wachsen läßt, was sie am meisten motiviert und dem Unternehmen am meisten bringen wird.

Falls die Fehlerkultur ihres Arbeitgebers dann dazu führt, dass sie bei einem Misserfolg dafür an die Wand gestellt wird, dann wird ihre Innovationskraft in einem anderen Unternehmen möglicherweise besser genutzt.

Hören wir dazu Ray Dalio, der Gründer und Chef des erfolgreichsten Investmentunternehmens der Welt, und seine Einstellung zu Fehlern und wie er die Fehlerkultur im Unternehmen fördert:

Wie gehen Sie mit Fehlern um?

Fragen Sie sich zum Abschluss einmal selbst, wie Sie damit umgehen, wenn ein Mitarbeiter oder Kollege einen Fehler macht. Und ich meine jetzt nicht, dass jemand grob fahrlässig handelt oder völligen Blödsinn anstellt. Was tun sie…

  • Flippen Sie aus und machen Sie demjenigen eine Szene?
  • Ärgern Sie sich und sprechen Sie dann mit demjenigen darüber, wie der Fehler entstanden ist und was derjenige – und Sie selbst – daraus lernen müssen?
  • Sehen Sie sich das Ergebnis an und lassen Sie denjenigen erläutern, was er getan hat, was geklappt und was schief gegangen ist – und was er nun anders machen wird?

Wer den Ozean überqueren will, muss den Mut haben, das Land zu verlassen.

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Jeder erfolgreiche Sportler oder Unternehmer hat unzählige Fehler gemacht, aus denen er lernen musste und die ihn zu dem gemacht haben, was er oder sie jetzt ist. Fehler sind Lernchancen.

Mein Appell an junge Mitarbeiter

Wenn Du eine junge Mitarbeiterin oder ein junger Mitarbeiter bist, wenn Du eine junge Führungskraft bist, dann habe den Mut, Dinge anzugehen, deren Ausgang ungewiss sind.

Du solltest nicht gleich Dein Leben riskieren, aber Du solltest auch nicht immer innerhalb Deiner Komfortzone bleiben.

Denn Du wirst eines Tages nicht die Dinge bereuen, die Du falsch gemacht hast.

Sondern Du wirst bereuen, was Du aus Angst vor Fehlern oder vor dem, was andere über Dich denken, alles nicht getan hast.

Denn dann wirst Du festgestellt haben, dass die Meinung anderer über uns nicht wirklich wichtig ist und dass viele Katastrophen, die wir uns im Kopf ausmalen, nie eintreten.

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