Da ist sie endlich, die lang ersehnte Beförderung und für viele beginnt die erste Führungsrolle damit, dass sie vom „einfachen“ Mitarbeiter zum Vorgesetzten ihres bisherigen Teams werden. Heute noch Kollege, morgen Chef – dieser Rollenwechsel bietet Chancen und Herausforderungen zugleich.

Wir konzentrieren uns hier auf den Fall, in dem jemand zum Teamleiter befördert wird und das Team leitet, zu dem er bislang als „einfaches“ Teammitglied gehört hat. Das bedeutet, man kennt die Kollegen gut und hat vielleicht auch zu einigen einen engen privaten Draht. Vermutlich hat man sich bisher auch immer wieder gemeinsam über den (ehemaligen) Teamleiter geärgert 😉.

Mit unseren fünf Praxistipps gelingt neuen Teamleitern und Gruppenleitern der Wechsel leichter.

Vom Kollegen zum Vorgesetzten
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Tipp 1: Als Teamleiter muss man anders agieren, als ein „einfaches“ Teammitglied

Hat man vorher als Teammitglied über andere Vorgesetzte, die Firmenleitung, die Strategie oder Produkte des eigenen Hauses gemeckert, haben die Worte aus dem Munde eines Team- oder Gruppenleiters nun eine andere Bedeutung.

Wenn ein Teamleiter über andere Vorgesetzte meckert, senkt er das Niveau der Unterhaltungen im Team – denn durch seine Äußerungen gibt er anderen Teammitgliedern die Legitimation, ebenfalls zu lästern. Das ist das tückische an dieser Vorbildfunktion und gilt natürlich auch dann, wenn man ein anderes Team übernommt. Führt man jedoch seine ehemaligen Kollegen, dann wird dieses Verhalten noch wichtiger.

Andererseits kann ein Teamleiter nun die Punkte, über die er früher gemeinsam mit seinem Team geschimpft hat, anders angehen. Er kann die Energie und Kreativität des Teams aktiv nutzen. Beispielsweise, indem er mit dem Team einen Workshop macht, um die Dinge zu ändern, die das Team selbst in der Hand hat. Sein Erfahrungswissen aus der Arbeit im Team gibt ihm genügend Ansatzpunkte. Wichtig ist jedoch, dass er glaubwürdig bleibt. Hat jemand vor vier Wochen noch hemmungslos über langsame Prozesse im Unternehmen gemeckert, darf derjenige in seiner neuen Vorgesetztenfunktion nun nicht plötzlich diese Prozesse in den Himmel loben – oder er macht sich damit schon in den ersten Tagen der Führungsrolle unglaubwürdig.

Und wenn das Team vorher nichts zu meckern hatte, sowas soll es auch geben, dann ist es dennoch von enormer Bedeutung, immer vorbildlich zu agieren. Wasser predigen und Wein trinken ist als Vorgesetzter nicht akzeptabel.

Der Tipp für neue Führungskräfte: Achte darauf, dass Du als Vorgesetzter vor Deinen Teammitgliedern stets vorbildlich agierst und denke daran, dass jede „Niveauabsenkung“ in Gesprächen und im Verhalten, die durch Dich ausgelöst werden, für Dein Team eine (nicht-ausgesprochene) Legitimation darstellt, sich ebenso zu verhalten.

Tipp 2: Als Teamleiter haben Freundschaften zu Teammitgliedern eine andere Bedeutung

Sehr eng kooperierende Teams sind oft auch durch freundschaftliche Beziehungen geprägt. Man spricht über das Privatleben, geht gemeinsam aus, feiert zusammen.

Als Vorgesetzter ist es in Ordnung, auch weiterhin mit den Teammitgliedern freundschaftlich verbunden zu sein. Das kann sehr hilfreich sein und eine gute Stimmung unterstützen.

Doch wenn es um das Feiern geht, kann dies zukünftig schwieriger werden. Um es direkt zu sagen: Ein Teammitglied, das ein Bier zu viel trinkt und sich zum Affen macht ist eine Sache – ein Vorgesetzter, der so agiert, verliert den Respekt seines Teams!

Vorsichtig sein beim Feiern als Vorgesetzter
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Deswegen ist es empfehlenswert, zukünftig als Führungskraft beispielsweise bei Feiern – egal ob beruflich oder privat bedingt – deutlich mehr auf die eigene Wirkung zu achten und sich nicht gehen zu lassen.

Doch nicht jedes Team geht feiern.

Vorzugsbehandlung verhindern

Es gibt noch einen wesentlich kritischeren Punkt bezüglich der Freundschaften zwischen Vorgesetzten und Teammitgliedern: Ein sehr enger Draht kann dazu führen, dass einzelne Teammitglieder besser behandelt werden, als andere. Das mag nicht einmal absichtlich erfolgen, sondern unbewusst. Die Wirkung ist aber die gleiche. Daraus entsteht ein Killer für den Teamzusammenhalt: Die Vermutung der Vetternwirtschaft und Vorzugsbehandlung.

Das ist unbedingt zu vermeiden.

Ich sage nicht, dass Freundschaften tabu sind. Überhaupt nicht. Aber als Vorgesetzter ist damit wesentlich sensibler umzugehen.

Noch ein letzter Hinweis: Manches mal sorgen Freundschaften sogar dafür, dass der befreundete Mitarbeiter schlechter behandelt wird als die anderen Teammitglieder. Weil man beispielsweise ein dringendes Kritikgespräch mit dem Freund ständig verschiebt, weil man Sorge hat, damit die Freundschaft zu gefährden..

Der Tipp für neue Führungskräfte: Achte darauf, dass Du mit Freundschaften zu Deinen Teammitgliedern sehr sensibel umgehst und vom “kumpelhaften” Umgang miteinander etwas Abstand nimmst.

Tipp 3: Einem Teamleiter wird immer unterstellt, dass er mehr weiß, als er erzählt

Als Teamleiter erhält man meist Zugang zu neuen Informationskanälen, nimmt an Führungskräfte-Workshops oder Management-Calls teil.

Mitarbeiter vermuten daher immer, dass ihr Vorgesetzter mehr weiß als sie. Solange alles gut läuft und man als Führungskraft wichtige Unternehmensinformationen an das Team kommuniziert ist alles ok.

Eine massive Herausforderung entsteht jedoch während Veränderungsprozessen. Über die Rolle eines Teamleiters bei Veränderungen und im Change Management, werde ich noch einen separaten Artikel verfassen.

Das Team glaubt immer, dass die Führungskraft mehr weiss
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Die tragische Situation vieler Teamleiter in Veränderungsphasen ist, dass sie genauso wenig wissen, wie ihre Teammitglieder.

Weil sie einfach zu weit weg von den Entscheiderebenen sind und daher auch nicht früher informiert werden als alle anderen. Die Teammitglieder glauben jedoch, dass dies anders ist. Teammitglieder gehen davon aus, dass Teamleiter sehr wohl frühzeitig über Veränderungen informiert werden – aber die Informationen nicht weitergeben.

Niemals Vermutungen äußern

Dieses Dilemma muss ein Teamleiter leider aushalten und darf aus dieser Situation heraus niemals einen tückischen Fehler begehen: Dass er Vermutungen äußert, obwohl er keine Informationen hat. Manche Führungskraft fühlt sich vom Informationshunger der Teammitglieder so unter Druck gesetzt, dass er Vermutungen äußert oder sich kryptisch ausdrückt. Und damit meist noch viel mehr Verwirrung und Unsicherheit stiftet, wie wenn er nichts gesagt hätte.

Denn vor allem dann, wenn sich diese Vermutung als falsch herausstellt, verliert das Team das Vertrauen in den Teamleiter.

Der Tipp für neue Führungskräfte: Niemals Vermutungen äußern – weder im normalen Berufsalltag, noch während Veränderungsphasen.

Tipp 4: Respekt ist etwas anderes als Freundschaft

Eine Führungsrolle ist kein Schönheitswettbewerb und es geht nicht darum, möglichst enge Freundschaften aufzubauen.

Ja, es ist hervorragend, wenn man sich im Team blind versteht, wie unter Freunde agieren und sich jederzeit aufeinander verlassen kann. Das ist unser Ziel.

Aber was wir als Führungskraft außerdem benötigen ist der Respekt der Teammitglieder vor uns und unserer Verantwortung. Dies kann bei einem zu engen Verhältnis schwierig werden.

In manchen Teams wird die Beförderung vom Kollegen zum Vorgesetzten dazu führen, dass ehemalige Kollegen langsam auf Abstand gehen. Aus Respekt. Und das müssen wir als Führungskraft respektieren! Das ist eher positiv zu sehen (solange sich das Team nicht komplett zurückzieht, weil der neue Vorgesetzte zum Tyrannen geworden ist).

Respekt vor der Führungskraft ist extrem wichtig
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Einige Führungskräfte haben aber damit zu kämpfen, dass Teammitglieder sie immer noch als „engen Buddy“ sehen und denken, dass alles so weitergeht wie bislang und dabei der Respekt vor der Führungsrolle verloren geht.

Hier ist es als neue Führungskraft wichtig, dass man nicht permanent versucht, als Freund gesehen zu werden – sondern als respektierte Führungskraft, auf die man sich verlassen und mit der man über alles reden kann. Wenn die Führungskraft einmal eine Ansage machen muss, dann muss der Respekt vor dieser Ansage beim Team vorhanden sein. Ansonsten ist man als Führungskraft ein zahnloser Tiger, der in schweren Zeiten nichts bewirken wird.

Der Tipp für neue Führungskräfte: Es ist hervorragend, wenn Du einen sehr engen Draht zu Deinem Team hast und ihr befreundet seid. Verwechsle Freundschaft aber nie mit Respekt und um effektiv führen zu können ist es wichtiger, dass man Dich respektiert, als dass man Dich als den besten Freund ansieht. Das klingt härter als es ist…

Tipp 5: Als Teamleiter erfährt man nicht mehr alles

Immer wieder berichten mir neue Teamleiter in meinen Seminaren, dass sie sich teilweise vom Informationsfluss des Teams abgeschnitten fühlen. Hier geht es in aller Regel nicht um berufliche Infos –  die laufen weiterhin. Es geht um die Gespräche in der Kaffeeküche, den neuesten Tratsch oder Ärger über „das Management“.

Bekommt eine neue Führungskraft solche Gespräche nur noch teilweise oder gar nicht mehr mit, dann kann man davon ausgehen, dass die Teammitglieder verstanden haben, dass diese Führungskraft nun eine andere Rolle hat.

Als Führungskraft darf ich dem aber nicht nachweinen, sondern muss akzeptieren, dass dies Teil der Rolle ist. Und wem das schwerfällt, der soll nur mal daran zurückdenken, wie er selbst reagiert hat, wenn beim harmlosen Meckern über das Management mit Kollegen plötzlich der frühere Teamleiter um die Ecke kam. Die meisten werden dann sofort mit dem Meckern aufgehört haben.

Feedback zu erhalten wird schwieriger

Wo die Reduzierung der Information gegenüber der Führungskraft besonders kritisch ist, sind sowohl das Feedback an die Führungskraft selbst als auch der offene Umgang mit Fehlern oder Problemen.

Gelingt es der neuen Führungskraft, eine offene Fehlerkultur zu pflegen – im besten Fall gab es das davor schon und muss nur weitergelebt werden – dann wird sie von ihrem Team frühzeitig informiert, wenn Dinge nicht klappen. Sie muss dann immer darauf achten, dass nicht der Überbringer der Nachrichten eine Breitseite abbekommt, sondern nach Ursachen und Lösungen gesucht wird. Gab es früher einen schlechten Umgang mit Fehlern, so ist entsprechend viel Arbeit in den Aufbau einer gesunden Fehlerkultur zu stecken. Dabei hilft die frühere Teammitgliedschaft sehr!

Feedback an die Führungskraft selbst kommt aber meist nur noch sehr eingeschränkt. Denn die meisten Teammitglieder denken „wenn ich dem jetzt erzähle, die schlecht er die Teammeetings leitet, dann bekomme ich vielleicht doch keine Gehaltserhöhung – also sage ich lieber, dass alles ok ist“. Nur wenige Mitarbeiter sind gnadenlos offen zu ihren Vorgesetzten.

Achtung: Das hat nichts mit Vertrauen zu tun! Es hat damit zu tun, dass der Vorgesetzte eine Machtposition besitzt (unabhängig davon, wie groß diese Macht faktisch ist) und die wenigsten Mitarbeiter an dem Ast sägen wollen, auf dem sie sitzen.

Führungskraft
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Der Tipp für neue Führungskräfte: Gehe davon aus, dass Du nicht mehr so einfach alle Informationen bekommst wie früher. Teilweise ist das gar nicht so schlimm (z.B. bezüglich Klatsch und Tratsch). Wenn es aber um Fehler, Probleme und Feedback an Dich geht, musst Du nun umso mehr daran arbeiten, eine entsprechend offene Kultur zu fördern und vorzuleben.

Fazit

Die hier erwähnten fünf Punkte gehören zu den Themen, die mir von neuen Führungskräften besonders oft als Schwierigkeiten ihrer neuen Rolle genannt werden, wenn ich mit ihnen in Seminaren oder Online-Trainings spreche.

Die neue Rolle geht mit vielen positiven Neuerungen einher – doch der wahre Erfolg einer neuen Führungskraft steht und fällt damit, sowohl im eigenen Kopf auch in dem der früheren Teammitglieder diesen Wandel auch mental zu vollziehen.

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