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      Erzwungenes Homeoffice für alle – Führung in der Krise [Coronavirus und Co.]

      Erzwungenes Home Office Führung in der Corona-Krise

      Planet Erde – 12.03.2020

      Eigentlich wollte ich über etwas anderes schreiben. Die dramatischen Auswirkungen des Coronavirus auf Gesundheit, Leben und Arbeit haben jedoch ein anderes Thema hochgespült: Die erzwungene Arbeit im Home-Office bei fast allen Unternehmen.

      Wir klären folgende Fragen zur Führung in dieser Krisensituation:

      1. Wie gehen Mitarbeiter damit um, wenn sie im Homeoffice arbeiten müssen, aber daran gar nicht gewöhnt sind?
      2. Was bedeutet dies aus psychologischer Sicht?
      3. Was ist die allerwichtigste Maßnahme, die Führungskräfte unbedingt umsetzen müssen?

      1. Führung in Krisenzeiten: Erzwungenes Homeoffice

      Es klingt eigentlich gar nicht so schwierig: Wir verlegen unseren Arbeitsplatz nach Hause, telefonieren mehr und arbeiten am Laptop oder PC im heimischen Wohn- oder Arbeitszimmer.

      Arbeiten im Home-Office und Aufgaben für die Führungskraft

      Abgesehen von der logistischen Herausforderung, die von den IT-Abteilungen momentan gestemmt werden muss und den sicherheitstechnischen Risiken, gibt es viel praktischere Probleme, die meistens von Führungskräften übersehen werden.

      Waren Sie schon einmal im Urlaub und haben beim Essen oder am Pool ein Ehepaar dabei beobachtet, wie es sich bekriegt? Für manches Ehepaar ist ein 10-tägiger Urlaubstrip wie das Spielen mit hochexplosivem Nitroglyzerin: Eine falsche Bewegung und alles geht in die Luft.

      Wenn nun Millionen von Menschen nach Hause geschickt werden, dann kann allein die Tatsache, dass beide Ehepartner zuhause sein müssen, ein explosives Gemisch werden.

      Oft fehlt dann auch die Möglichkeit, überhaupt sinnvoll arbeiten zu können.

      Vielleicht kann ein Ehepartner problemlos am Laptop effektiv arbeiten. Doch wenn der andere einen Job am Flughafen hat, jetzt in Kurzarbeit zuhause sitzt und nichts tun kann, wird dies der Stimmung nicht zuträglich sein.

      Nehmen wir dann noch den psychischen Dauerterror der um Aufmerksamkeit buhlenden Medien und die tatsächlich existierende gesundheitliche Gefahr dazu, kann von entspannter, konzentrierter Arbeit im Homeoffice nicht geredet werden.

      Hinzu kommt, dass wir bereits seit vielen Jahren beobachten können, dass nicht jeder Mitarbeiter dazu geeignet ist, zuhause zu arbeiten.

      Gründe dafür sind unter anderem:

      • Schlechte Selbstorganisation
      • Ständige Ablenkung („ich räume mal schnell das Geschirr in die Spülmaschine, bevor ich den unangenehmen Anruf mache“)
      • Fehlender Austausch mit anderen
      • Fehlende Routine

      Von herumspringenden Kindern oder um Aufmerksamkeit bettelnde Haustiere sehen wir einmal komplett ab.

      Ablenkung im Home-Office

      Als Führungskraft müssen wir daher berücksichtigen, dass ein erheblicher Anteil an Mitarbeitern wesentlich unproduktiver sein wird, wenn sie von zuhause aus arbeiten.

      Das ist ein Fakt.

      Wie gesagt, die Angst, die manchen schon fast paralysiert, ist dabei noch gar nicht berücksichtigt!

      2. Psychologische und neurowissenschaftliche Betrachtung des erzwungenen Homeoffice

      Achtung, jetzt wird es heftig…

      Folgendes Zitat stammt aus einem Bericht von Amnesty International, in dem ein UNO-Sonderberichterstatter sagt:

      „Je länger die Isolationshaft andauert oder je ungewisser deren Dauer ist, umso höher ist das Risiko für schwere, irreparable Schäden – ähnlich denen von unmenschlichen und entwürdigenden Behandlungen wie der Folter.“ Quelle: Amnesty International, Schweiz

      Direkt gesagt: Isolationshaft ist wie Folter.

      Fühlen wir uns dazu gezwungen, uns nur noch zuhause aufzuhalten, dann ist das so ähnlich wie eine Isolationshaft. Ja, man hat den Fernseher und seine gewohnte Umgebung. Aber man kann sich einfach nicht mehr frei bewegen, mit anderen Treffen, etwas anderes sehen.

      Wer als Sportler aufgrund einer Verletzung einmal mehrere Wochen nicht trainieren durfte, der weiß, welche psychische Belastung dies darstellt.

      Umso bedrückender wird es für unsere Seele, wenn wir zuhause bleiben müssen. Weil „draußen der Tod wartet“.

      Schutz in der Gruppe

      In Krisen suchen wir Schutz in der Gemeinschaft

      Hinzu kommt, dass wir Menschen Rudeltiere sind.

      Ob nach Terroranschlägen oder nach schweren Verbrechen – wir kommen in Gruppen zusammen.

      Wir demonstrieren.

      Wir veranstalten Trauermärsche.

      Wir legen Blumen nieder und verharren in der Gemeinschaft.

      Gemeinsam merken wir, dass wir nicht so alleine sind. Innerhalb einer Gruppe schenken wir uns gegenseitig Kraft. Geben uns Mut. Sehen, dass andere auch leiden und damit fertigwerden. Und das hilft uns.

      Heute können wir auf digitalem Wege so schnell und umfassend kommunizieren wie noch niemals zuvor.

      Das hilft.

      Doch das Zusammenkommen mit anderen Menschen sorgt auch deswegen für ein gutes Gefühl, weil Oxytocin, ein Hormon und Neurotransmitter zugleich, ausgeschüttet wird. Aber eben nur dann, wenn wir in einer Gruppe sind.

      Oxytocin entspannt, sorgt für ein gutes Gefühl, ist sogar gut für die Gesundheit.

      Wir sehnen uns nach der Gruppe, weil wir das durch Oxytocin ausgelöste Gefühl suchen!

      Klar, wir können eine Zeitlang auch sehr gut alleine sein. Manche Menschen sind froh, den blöden Kollegen die nächsten zwei Wochen nicht sehen zu müssen.

      Wenn wir es selbst so entscheiden!

      Werden wir gezwungen, tritt früher oder später der Entzug ein.

      Deswegen ist es für Führungskräfte extrem wichtig, die nachfolgend beschriebene Maßnahme konsequent durchzuziehen:

      3. Die wichtigste Maßnahme bei der Führung in Krisenzeiten, wenn das eigene Team zuhause arbeiten muss

      Nehmen wir die Erkenntnis, dass

      • viele Mitarbeiter nur wenig Erfahrung in der effektiven Arbeit im Homeoffice haben
      • die psychologische Belastung durch die Arbeit zuhause
      • die fehlende Bindung an die „Gruppe“ (das Team, die Kollegen, die Kunden mit denen man sonst immer zu tun hat)
      • sowie die Angst durch die real existierende Gefahr durch COVID19

      müssen wir als Führungskraft vor allem eines tun:

      Ständige Kommunikation mit unserem Team/unseren Mitarbeitern und das Schaffen eines „Wir-Gefühls“

      Videokonferenzen im Home-Office - Führung in der Krise

      Dazu empfehle ich Ihnen folgendes:

      1. Tägliche Einzelgespräche

      Telefonieren Sie jeden Morgen für 5 Minuten mit den Mitarbeitern, die keine Erfahrung mit Homeoffice-Arbeit haben. Fragen Sie, wie es demjenigen geht. Am besten per Video-Telefonat via WhatsApp, Skype, etc.

      2. Tägliches, virtuelles Team-Meeting

      Machen Sie jeden Morgen ein kurzes Video-Telefonat von maximal 15 Minuten Dauer mit dem gesamten Team.

      Der Ablauf orientiert sich am sogenannten Daily, bekannt von der agilen Methode SCRUM.

      Als erstes geben Sie ein kurzes Update, falls es irgendwelche Neuigkeiten im Unternehmen gibt, danach sagt jeder was er/sie gestern erreicht hat, was heute geplant ist und ob derjenige bei einer Aufgabe Hilfe benötigt. Wichtig ist, dass jeder sich an diese Vorgabe hält und maximal 60 Sekunden spricht.

      Benötigen Mitarbeiter Hilfe, dann wird das Thema nicht während des Telefonats gelöst. Stattdessen kontaktiert derjenige, der helfen kann, danach den jeweiligen Mitarbeiter.

      3. Fördern Sie den Dialog

      Bestärken Sie Ihr Team darin, sich möglichst viel auszutauschen und zu telefonieren, um dem Lagerkoller zu entgehen.

      4. Bringen Sie Leichtigkeit ins Spiel

      Falls Sie auch etwas Spielerisches unterstützen wollen…

      Wie wäre es mit einer virtuellen Mittagspause, bei der alle per Videokonferenz gemeinsam essen.

      Eine Bekannte von mir hat über Jahre hinweg mit ihren Kindern und ihrem Ehemann virtuell gefrühstückt – Frau und Kinder zuhause, der Ehemann auf einem Schiff im indischen Ozean, wo er beruflich unterwegs war.

      Fazit

      Niemand kann sagen, wie lange wir mit dieser Ausnahmesituation zu kämpfen haben.

      • Sorgen Sie dafür, dass Sie sowohl die menschlichen Aspekte der Zusammenarbeit als auch die individuelle Situation Ihrer Mitarbeiter berücksichtigen.
      • Schaffen Sie ein, unter den gegebenen Voraussetzungen mögliches, Gruppengefühl.
      • Rechnen Sie nicht damit, dass Ihre Teams genauso effektiv sind, wie im Büro. Manche werden effektiver sein, andere werden deutlich langsamer arbeiten.

      Wichtig ist, dass wir uns sowohl auf den Schutz unserer Gesundheit als auch auf produktive Dinge konzentrieren, statt uns von unseren eigenen Gedanken wahnsinnig machen zu lassen.

      Weitere konkrete Tipps zur Führung während der Corona-Krise habe ich in meinem Artikel Führung in Zeiten des Coronavirus [Leadership in Krisenzeiten] beschrieben. Lesen Sie doch mal rein…

      Tipps zur Produktivität im Home-Office:

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