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      Analysis Paralysis – Raus aus der Verzögerungsfalle [Psycho-Wissen für Führungskräfte]

      Analysis Paralysis Psycho-Wissen für Führungskräfte - Raus aus der Verzögerungsfalle

      Kennen Sie Menschen, für die eine Bestellung im Restaurant einer Doktorarbeit gleicht? Die 8 Hauptgerichte zur Auswahl haben, den Kellner nach den Beilagen zu jedem dieser Gerichte fragen, und dann sagen „ich glaube, ich brauche noch ein paar Minuten“. Um dann mit einem „und was nehmt Ihr?“ verzweifelt in die Runde zu blicken. Am Ende wird dann ein langweiliges Gericht bestellt – da weiß man vorher, was man hat.

      Dieses Beispiel zeigt uns, dass ein MEHR an Informationen nicht automatisch dazu führt, dass wir bessere Entscheidungen treffen.

      Vor allem dann, wenn wir all diese Informationen nur in unserem Kopf verarbeiten wollen, sorgt ein Überfluss an Informationen zu einer Blockade.

      Einer Verzögerungsfalle, einer Entscheidungsblockade, einem Prokrastinationsbeschleuniger namens Analysis Paralysis.

      Was ist Analysis Paralysis?

      Analysis Paralysis beschreibt das Verhalten von Personen oder Gruppen, die sich selbst durch das Analysieren von Informationen sowie das permanente Suchen nach noch mehr Informationen so sehr blockieren, dass sie keine Entscheidung treffen bzw. am bisherigen Ort verharren. Selbst wenn eine Entscheidung getroffen worden wäre, wird diese aufgrund der Angst, nicht alle Informationen berücksichtigt zu haben, nicht umgesetzt.

      Aber ich muss mehr wissen, um entscheiden zu können!

      Wenn Sie Geld an der Börse investieren wollen und die Aktien auswählen, deren Namen Ihnen besonders gefallen, dann kann diese Strategie aufgehen. Damit sind Sie schnell fertig und in kurzer Zeit Aktienbesitzer.

      Wenn Sie ein Buch kaufen und in der Buchhandlung das Buch nehmen, dessen Cover Ihnen am besten gefällt, dann kann Ihnen dieses Buch auch beim Lesen Freude bereiten. Sie haben sich in kurzer Zeit entschieden und sind stolzer Besitzer eines neuen Buches.

      Wenn Ihnen ein Mitarbeiter ein Projekt vorschlägt, dann können Sie Ihre Entscheidung davon abhängig machen, ob in der Präsentation nicht nur Zahlen und Daten, sondern auch Bilder verwendet wurden. Damit können Sie Ihre Entscheidung binnen weniger Minuten treffen.

      Doch wir sind uns sicher einig, dass Ihre Entscheidungen auf viel zu wenigen, belastbaren Informationen basieren.

      Andererseits…

      Hat dieses Vorgehen den unglaublichen Vorteil, dass eine Entscheidung getroffen wurde!

      Und jede Entscheidung führt zu (neuen) Erfahrungen und Wissen.

      Dieses neu gewonnene Wissen muss jedoch in zukünftige Entscheidungen einfließen.

      Wenn das aufgrund des Covers gekaufte Buch unverständlicher Mist ist und wir das nächste Buch wieder nach der Schönheit des Covers auswählen, haben wir nichts gelernt.

      Das genaue Gegenteil dieser Vorgehensweise ist das Verlangen nach noch mehr Informationen, um eine Entscheidung treffen zu können.

      Ob Mittagessen oder Millionen-Investition – die Hoffnung ist, dass noch mehr Informationen zu besseren Entscheidungen führen.

      Und das kann in der Tat der Fall sein.

      Aber nur dann, wenn auch wirklich entschieden wird!

      Unendlich lange nach noch mehr Informationen zu verlangen ist irgendwann sinnlos.

      Noch mehr Informationen führen zur Analysis Paralysis

      Noch mehr Informationen können zur Analysis Paralysis führen

      Denn dann gelangen wir in einen Zustand namens Analysis Paralysis.

      Wir haben einfach zu viele Informationen, die wir nicht mehr vernünftig verarbeiten können.

      Vor allem bekommen wir widersprüchliche Informationen, die meist dazu führen, gar keine Entscheidung zu treffen.

      Doch – auch eine Verzögerung einer Entscheidung ist eine Entscheidung.

      Manchmal eine gute, oft jedoch eine schlechte.

      Internet fördert Analysis Paralysis

      Die unendlichen Weiten des Internets bieten uns zu jedem Suchbegriff Millionen von Suchergebnissen an.

      Wir sind niemals fertig mit der Informationsbeschaffung. Denn es gibt immer noch ein Dokument, das wir nicht gelesen, eine Statistik, die wir nicht ausgewertet oder ein „Experten“-Interview, das wir noch nicht angesehen haben.

      Sowohl in unserem „normalen“ Leben als auch in unserer Rolle als Führungskraft – oder gar als Leadermüssen wir Entscheidungen auf Basis unvollständiger Informationen TREFFEN und nicht verzögern.

      Wir dürfen uns nicht durch eine Analysis Paralysis blockieren lassen. Ansonsten ziehen Mitbewerber, die mutig und entschlossen handeln, eines Tages problemlos an uns vorbei.

      Die Verzögerungfalle Analysis Paralysis wird zusätzlich durch Phänomene wie Loss Aversion, die Sunk Cost Fallacy und den Status Quo Bias verstärkt. (Mehr über diese Phänomene lesen Sie in den Artikeln, die mit den Begriffen verknüpft sind)

      Und welche Rolle spielt Analysis Paralysis für Führungskräfte?

      Einerseits kann Analysis Paralysis uns selbst blockieren.

      Wir treffen keine Entscheidungen, obwohl Mitarbeiter dringend darauf warten.

      Wir lassen Chancen verstreichen, obwohl Mitarbeiter mit vollem Engagement und Motivation die Chancen nutzen wollen.

      Am Ende führt dies dazu, dass wir weniger erreichen, möglicherweise die Zukunft des Unternehmens verspielen und unsere Mitarbeiter demotivieren.

      Andererseits kann Analysis Paralysis auch unsere Mitarbeiter blockieren.

      Dies tritt vor allem auf, wenn Mitarbeiter uns einfach keinen Vorschlag unterbreiten können, weil sie in der Analysis Paralysis feststecken.

      Oder die Mitarbeiter setzen eine Entscheidung nicht um, „weil jetzt nochmals ganz neue Informationen vorliegen“, die sie zur Sicherheit noch zusätzlich auswerten wollen.

      Eines ist klar: Wir sollten nicht willkürlich und unter bewusster Auslassung vorliegender Informationen blindlings Entscheidungen treffen oder handeln. Natürlich nicht.

      Doch gerade in Deutschland sehen wir in verschiedenen Industrien ganz deutlich, wie unsere Chancen auf dem Weltmarkt gegen 0 gehen, weil wir zögern, statt handeln. Ob Künstliche Intelligenz, Elektro- oder Brennstoffzellen-Mobilität oder auch IT-Systeme. Wir mögen ein oder zwei Weltmarktplayer haben. Aber das sind dann die Ausnahmen von der Regel.

      Wir analysieren zu viel und handeln zu wenig!

      Wir analysieren zu viel und handeln zu wenig

      Wir analysieren zu viel und handeln zu wenig

      Was Analysis Paralysis im Gehirn auslöst

      Wir können gar nicht so viele Informationen in unserem Kopf verarbeiten, wie wir oft versuchen. Also bringt ab einem bestimmtem Moment noch mehr Information keinen Mehrwert. Es macht alles meistens nur noch schlimmer.

      Darüber hinaus entstehen möglicherweise zusätzlich Ängste.

      Einerseits die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen.

      Andererseits die Angst, durch eine weitere Verzögerung etwas falsch zu machen.

      Die Angst, dass uns andere für unsere Entscheidung kritisieren oder diese negative Folgen für uns hat kommt ebenfalls dazu.

      Allerdings ist Angst ein sehr schlechter Ratgeber.

      Sie aktiviert das „Angstzentrum“ im Gehirn, die Amygdala. Und wenn dieser kleine Gehirnteil richtig aktiv wird, blockiert sie unsere rationalen Denkprozesse und Kreativität.

      Also führt die durch die Analysis Paralysis ausgelöste Angst dazu, dass wir schlechter denken und weniger kreativ sind.

      Sehr ungünstig…

      Genau in dem Moment, in dem wir richtig denken müssen, verhindert unser Verhalten ein kreatives Nachdenken. Mehr dazu in diesem (englischsprachigen) Artikel:

      http://www.scientificamerican.com/article/don-t-overthink-it-less-is-more-when-it-comes-to-creativity/

      Drei Tipps für Führungskräfte gegen Analysis Paralysis

      Um gegen die Analysis Paralysis anzugehen, gebe ich Ihnen drei ganz simple Strategien an die Hand.

      Diese können Sie sowohl persönlich für sich selbst nutzen, als auch mit Ihren Mitarbeitern

      1. Schwellwerte definieren

      Wenn eine Entscheidung zu treffen ist, beispielsweise über die Entwicklung eines neuen Produktes, dann legen wir zu Beginn des Entscheidungsprozesses fest, welches Mindestmaß an Informationen wir benötigen, um uns zu entscheiden.

      Und dann beschließen wir, dass wir dann umgehend entscheiden, wenn diese Informationen vorliegen.

      Punkt.

      Fertig.

      Keine Diskussion.

      Wir sagen beispielsweise „Sobald wir von 100 potentiellen Kunden eine verbindliche Zusage für den Kauf des neuen Produktes haben und die Produktion dann mindestens kostendeckend ist, dann produzieren wir.“

      Die im Laufe der Produktion neu gewonnenen Informationen sollten für spätere Entscheidungen genutzt werden. Beispielsweise, ob wir das Produkt weiterentwickeln oder nicht.

      Aber wir gewinnen viele für uns relevante Informationen und Daten erst dann, wenn wir handeln!

      Beim Bergsteigen sehen wir nie den gesamten Weg auf einen Blick

      Beim Bergsteigen sehen wir nie den gesamten Weg auf einen Blick – und gehen dennoch

      So wie wir beim Bezwingen eines Berges niemals die komplette Route auf einen Blick sehen und nie zu 100% vorhersagen können, was passieren wird.

      Wir bereiten uns so gut wie möglich vor und gehen dann los.

      Natürlich nutzen wir dabei noch unseren gesunden Menschenverstand und verschieben unseren Abmarsch um einen Tag, wenn für das eigentlich geplante Abmarschdatum ein Monstersturm vorhergesagt wird.

      Aber wir werfen die Entscheidung nicht wieder über den Haufen.

      2. Im ersten Schritt auf temporäre Lösungen setzen

      Sehr oft entsteht die Analysis Paralysis daraus, dass wir eine scheinbar „nicht mehr umkehrbare Entscheidung“ treffen.

      Dass wir bei monumentalen Entscheidungen eher zögern ist menschlich. Aber dennoch müssen wir entscheiden.

      Doch seien wir einfach mal ganz ehrlich:

      Wie viele Entscheidungen treffen wir, die nicht mehr umkehrbar sind?

      Von sehr, sehr, sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, können wir jede Entscheidung wieder stoppen oder ändern, falls wir feststellen, dass es komplett schief geht.

      Um diese Entscheidungsangst zu reduzieren, können wir bei (scheinbar) monumentalen Entscheidungen der Analysis Paralysis ganz einfach begegnen:

      Wir entscheiden uns jetzt für einen ersten Schritt und legen gleichzeitig fest, wann wir das Ergebnis anhand welcher Kriterien prüfen.

      Kürzlich sprach ich mit den Führungskräften eines Kunden, die mit der mangelnden Effizienz ihrer Besprechungen unzufrieden sind. Die Führungskräfte hatten meinen Artikel Schluss mit Laberrunden – die fünf Grundregeln effektiver Meetings gelesen.

      Man wollte alle Besprechungen von Grund auf neu anlegen, man wollte Dailys einführen und Moderatoren nutzen.

      Doch das wäre in dem Moment vielleicht tatsächlich zu viel auf einmal gewesen. Man muss schließlich auch die Mitarbeiter mitnehmen. Und nicht jede Führungskraft war wirklich zu 100% überzeugt.

      Also entschieden wir, dass eine der bislang üblichen Besprechungen komplett gestrichen und durch Dailys ersetzt wird. Diese neue Vorgehensweise sollte für 6 Wochen getestet werden. Nach den 6 Wochen wollte man gemeinsam mit den Mitarbeitern anhand der Kriterien Informationsfluss, Effektivität und Mitarbeitermotivation entscheiden, ob die neue Vorgehensweise auf Dauer genutzt oder nochmals überarbeitet wird.

      Damit fällt es allen Beteiligten viel leichter, sich auf etwas Neues einzulassen.

      Natürlich sollten wir eine solche Vorgehensweise nicht mit dem Hintergedanken angehen, dass hoffentlich dabei herauskommt, alles beim Alten belassen zu können.

      3. Die „Kosten“ für die Verzögerung beziffern

      Während die Analysis Paralysis ihre volle Wirkung entfaltet, betrachtet fast niemand, welche Kosten, Auswirkungen, verlorenen Chancen oder nicht gemachte Erfahrungen man sich dadurch einhandelt.

      Es wird oft, etwas naiv, davon ausgegangen, dass keine Entscheidung zu treffen auch keine negativen Auswirkungen hat.

      Aber das ist oft nicht so. Man sieht es nur nicht!

      Wenn Ihre Entscheidung für ein Projekt sich durch Analysis Paralysis nochmals um ein halbes Jahr verzögert, dann kann das bedeuten, dass

      • der Wettbewerb 6 Monate Vorsprung bekommt
      • gute Mitarbeiter demotiviert werden, weil sie ihre Fähigkeiten noch immer nicht richtig einsetzen können
      • Kunden verärgert sind, weil von Ihnen für bestehende Probleme noch immer keine Lösungen oder keine Innovationen kommen

      Daher sollten Sie immer dann, wenn Sie eine Entscheidung erneut verschieben, eine kurze Aufstellung dessen machen, was Sie durch diese Verzögerung verlieren.

      Vielleicht stellen Sie dann fest, dass es doch gut wäre, zumindest einen ersten Schritt zu machen.

      Fazit Analysis Paralysis und Führung

      Analysis Paralysis ist ein menschliches und, besonders bei Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen, nachvollziehbares Phänomen.

      Als Führungskraft werden wir jedoch nicht dafür bezahlt, Entscheidungen zu verzögern, sondern gute Entscheidungen zu treffen.

      Die drei Tipps sollten Ihnen und Ihren Mitarbeitern dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen und umzusetzen – statt wie das Kaninchen vor der Schlange zu sitzen und abzuwarten.

      Um mit Napoleon zu schließen:

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